Jean Calvin setzte sich dafür ein, dass Servet human hingerichtet wird. Der Reformator konnte sich mit seiner Forderung, den “Ketzer” zu köpfen, nicht durchsetzen. Michel Servet wurde am 27. Oktober 1553 in Genf auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Zum 500. Geburtstag des Reformators wird das Drama „Servet in Genf“ meines Grossvaters Albert J. Welti, uraufgeführt am Stadttheater Bern am 7. November 1931, wiederentdeckt. Das Wiener Teatro Caprile führt es am kommenden Freitag, 15. Mai, in der Wiener Zwinglikirche auf. Im Kern geht es im Drama und um die Auseinandersetzung zwischen Calvin und Michael Servet – einem spanischen Arzt und religiösen Freidenker. Servet kommt nach Genf, um die direkte Konfrontation mit seinem Gegner zu suchen – obwohl er weiss, dass Calvin, der Reformator, ihn sogar bei der katholischen Inquisition angezeigt hat. Bei genauerer Betrachtung sind sich die beiden Männer gar nicht so unähnlich. Im Stück wird Calvin nicht als der Ayatollah von Genf dargestellt, sondern als Mensch mit Gefühlen. In einer Zeit, in der wieder einmal die Verquickung von politischer und religiös-kultureller Abgrenzung auf mancherlei Fahnen geschrieben und wieder einmal die erneute Abschaffung der Trennung von Staat und Kirche zur Debatte gestellt wird hat das Stück nichts von seiner Aktualität eingebüsst.
Im Herbst wird das Stück in Zürich, Genf und St. Gallen aufgeführt werden.